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Warum Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem für mich sind

Beispielbild Blogbeitrag Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem

In letzter Zeit habe ich einige Male erlebt, dass Kolleg*innen (oder ich 😉) von aufmerksamen Leser*innen auf Rechtschreibfehler, Tippfehler und Grammatikfehler in Blogposts hingewiesen werden. Ich bin immer dankbar, wenn ich darauf hingewiesen werde und meine Texte ausbessern kann. Aber ich selber sehe Rechtschreibfehler in Blogbeiträgen sehr gelassen: In diesem Beitrag erfährst du, warum Rechtschreibfehler in Blogposts echt kein Problem für mich sind!

Beispielbild: Warum Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem für mich sind

Eines vorneweg: Natürlich mag ich fehlerfreie Texte; ich bin ein absoluter Fan davon! Ich liebe gut geschriebene Sätze. Ich genieße es, wenn ich an einem roten Faden durch einen Text geführt werde. Und ich mag es, wenn mich Schreibstil und Inhalt neugierig machen auf das, was noch kommt. Das ist herrlich und fühlt sich toll an!

Dass ich gute Texte mag, heißt aber nicht, dass ich bei Fehlern im Text sofort in die Luft gehe. Klar fallen mir Fehler auf. Aber solange der Blogpost insgesamt lesbar bleibt, habe ich mit vereinzelten Rechtschreibfehlern kein Problem. Und zwar aus fünf Gründen.

Grund 1: Jeder macht Fehler. Auch beim Korrekturlesen.

Vielleicht hast du ja selber schon die Erfahrung gemacht, dass du einen Text zig-fach durchgelesen hast und keine Fehler mehr entdecken konntest. Und wenn der Text dann draußen war, musstest du feststellen, dass trotz aller Sorgfalt Rechtschreibfehler und Tippfehler drin waren?

Tja, genauso ist das leider. Bei den eigenen Texten wird man irgendwann betriebsblind und sieht die Fehler nicht mehr. Ich selber habe eigentlich ein gutes Korrektur-Auge, auch bei meinen eigenen Texten – und trotzdem kommt es vor, dass ich Fehler übersehe. Das ärgert mich immer sehr, aber es passiert eben.

Meine Schlussfolgerung daraus: Wenn mir das selber passiert, dann muss ich das auch anderen zugestehen.

Grund 2: Rechtschreibfehler in Blogposts sagen nichts über die Qualität der Inhalte aus.

Jede*r darf bloggen. Die meisten Bloggger*innen bloggen über Themen, die sie interessieren und beschäftigen. Das heißt aber nicht automatisch, dass jede*r Blogger*in auch Rechtschreibung und Grammatik beherrscht – wieso auch?!?

Ich hole an dieser Stelle weit aus: Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn habe ich mehrere Jahre am Gymnasium Englisch, Latein und Geschichte gearbeitet. Meine erste Matura als Lehrerin war ein prägendes Erlebnis für mich. Mehrere Schüler*innen traten bei mir in Englisch an. Deswegen musste ich bei vielen Maturaprüfungen anwesend sein, nicht nur bei meinen eigenen. So bekam ich einen guten Überblick über die Klasse und darüber, wie beurteilt wurde und welche Maßstäbe angesetzt wurden.

Bei dieser Matura war eine Schülerin dabei, die bei uns Lehrer*innen als fleißig galt, aber auch als naiv und einfältig. Sie war blond und hübsch, und in Mathematik, Deutsch und Englisch tat sie sich schwer. Generell war man der Meinung, sie sei nicht allzu intelligent. Fleißig ja, aber intelligent? Nein.

Bei dar Matura trat sie unter anderem in Bildnerischer Erziehung an, in Zeichnen. Ein „einfaches“ Fach hatte sie also gewählt – das entsprach genau dem Bild, das wir Lehrer*innen von ihr hatten.

Wir staunten dann allerdings darüber, was für wunderschöne Kunstwerke diese junge Frau in ihrer Mappe hatte. Und wie großartig und souverän sie bei der Matura zeichnete! Und darüber, wie selbstbewusst und stark und fröhlich sie auftrat, wenn sie in ihrem Element war!

Ich war echt überrascht – und beschämt. Meine Kolleg*innen und ich hatten im Unterricht nur einen Teil von ihr gesehen, nämlich den, der sich mit den sogenannten Hauptfächern nicht leicht tat. Das reichte, um sie abzuqualifizieren und als wenig intelligent zu bezeichnen.

Die echte Person dahinter, also die, die toll zeichnen kann und dabei so richtig aufgeht, die hatten wir gar nicht wahrgenommen.

Das führt mich zurück zum Bloggen: Warum sollte ein Bäcker, der geniale Brotrezepte zur Verfügung stellt, die deutsche Rechtschreibung perfekt beherrschen? Warum sollten Sportler*innen, Künstler*innen, Eltern, Cancer-Blogger*innen, Videoexpert*innen oder Handwerker*innen sprachlich perfekt sein? Oder jemand, der mit dem Campingmobil Urlaub macht und die Leserinnen und Leser an den Reisen und Abenteuern teilhaben lässt? Da besteht für mich überhaupt kein Zusammenhang.

Viele Leute sind großartig in ihren Themen, aber eben nicht sattelfest in Rechtschreibung und Grammatik. Na und? Ich lese ihre Beiträge schließlich nicht deshalb, weil es mir dort um perfekte Sprachbeherrschung geht. Ich lese Blogs, weil ich die Themen spannend finde, die Menschen hinter den Geschichten sympathisch finde und Einblick in andere Leben bekomme.

Ich fände es echt unfair, wenn ich dann sage: „Naja, X war in Griechenland und hat ein paar coole Reisetipps, aber hey, im dritten Absatz von oben ist ein Tippfehler! Und Y kann super mit Pflanzen umgehen, hat aber echt Probleme mit dem Konjunktiv.“

Nicht mit mir. So kann ich nicht denken. Mir steht es nicht dazu, einen Menschen wegen der Rechtschreibung zu beurteilen. Und wer weiß, was mir alles entgeht, wenn ich nur auf die Rechtschreibfehler blicke!

Ich konzentriere mich deshalb beim Lesen von Blogposts auf den Inhalt. Und wenn mir mal ein Fehler auffällt, dann lese ich drüber. Auch kein Problem.

Grund 3: Ich möchte andere motivieren, nicht entmutigen.

Achtung, jetzt wird es nochmals persönlich: Es ist meine Grundhaltung, dass ich andere motivieren möchte – und nicht entmutigen oder fertig machen.

Ich gehe nochmals zurück zu meiner Arbeit als Lehrerin. Unterrichten fand ich ok, das hat mir Spaß gemacht. Das Benoten hingegen fand ich furchtbar. Als Lehrerin war es meine Aufgabe, die Fehler in den englischen Arbeiten zu entdecken und rot anzustreichen. Es war egal, wie gut eine Arbeit war – irgendetwas war immer Rot.

Mir hat das weh getan. Da war so viel richtig in diesen Arbeiten, aber das spielte kaum eine Rolle. Wir Lehrer*innen bohrten in den Fehlern herum. Ich fand das damals schon schlimm, aber rückblickend finde ich diese Art des Feedbacks schrecklich. Einfach nur demotivierend. 

Beispielbild: Warum Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem für mich sind

Wenn ich also heute meinen Kund*innen Feedback zu ihren Texten gebe, dann achte ich sehr darauf, dass ich dabei motiviere und ermutige. In den Texten, die meine Kund*innen schreiben, steckt schließlich viel Herz und Arbeit drin. Da werden persönliche Geschichten erzählt; da merkt man, wie sehr sie sich um Klarheit und schöne Sätze bemühen.

Ich fände es ungerecht, wenn ich nun gezielt den Finger auf die wenigen Punkte lege, die nicht passen. All die anderen Dinge, die den Schreiber*innen gut gelungen sind, sollen neben den Schwachstellen untergehen? Nicht fair.

Klar zeige ich meinen Kund*innen die Fehler in ihren Texten; das ist mein Job. Sie kommen ja zu mir, weil sie bessere Texte möchten! Das mache ich aber motivierend und wertschätzend, und nicht mit dem Holzhammer.

Bei anderen Blogposts hingegen sind Rechtschreibfehler, Beistrichfehler und leichte Grammatikfehler kein Problem für mich. Ich fände es nicht wertschätzend, wenn ich jemanden, der viel Arbeit in einen Blogpost gesteckt hat, auf seine Fehler hinweise. Das ist erstens nicht meine Aufgabe, und zweitens konzentriere ich mich lieber auf den Inhalt.

Grund 4: Ich weiß ja nicht, warum jemand Rechtschreibfehler macht.

Dieser Punkt ist für mich ganz wichtig: Ich weiß nie, warum jemand Fehler macht. Nicht jede*r kann automatisch oder mit ein bisschen Anstrengung fehlerfrei schreiben. Manche können das nicht, weil sie wegen bestimmter Schwächen nicht die Fähigkeit dazu haben.

Mir wurde das bei meinen kostenlosen Workshops im Mai 2021 wieder einmal bewusst. Damals konnten mir die Teilnehmer*innen ihre Texte schicken, und ich gab ihnen Feedback dazu.

Eine Teilnehmerin entschuldigte sich in der E-Mail schon im Voraus für ihre Fehler. Sie schrieb, dass sie Legasthenikerin sei und ihre Texte deshalb immer von jemand anderem korrigieren lassen müsste, bevor sie sie online stellt. Die Texte, die sie mir geschickt hatte, waren noch unkorrigiert und deshalb fehlerhaft. Sie bat mich, darüber hinwegzulesen.

Wenn ich so etwas lese, bekomme ich Gänsehaut. Das macht mir bewusst, wie schnell wir andere abwerten – und das, ohne etwas über den Hintergrund der Person zu wissen! Ein Legastheniker muss ungleich mehr Arbeit in einen Text stecken als jemand, dem das Schreiben leicht von der Hand geht.

Beispielbild: Warum Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem für mich sind

Ich habe zufällig das Hirn fürs Schreiben. Das ist nicht mein Verdienst, das habe ich genetisch mitbekommen! Dann hatte ich noch Zugang zu ganz viel Bildung und Ausbildung, um Schreiben lernen zu dürfen. Ich kann nicht davon ausgehen, dass alle dieselben Voraussetzungen haben wir ich.

Schon aus diesem Grund finde ich es absolut unfair, die Rechtschreibung in Blogbeiträgen zu kritisieren oder von der Rechtschreibung auf die Person zu schließen.

Grund 5: Kleine Fehler in Blogposts ändern nichts am Verständnis.

Ein letzter Grund, warum Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem für mich sind: So lange nur vereinzelt Fehler auftauchen, ändert das gar nichts am Verständnis. Nichts. Null. Nada. Kein Grund, daraus ein Drama zu machen.

Und falls ich doch mal etwas nicht verstehe, dann lese ich den Satz eben ein zweites Mal. Das ändert nichts daran, dass der Text als Ganzes immer noch großartig sein kann.

Mein Fazit: Warum Rechtschreibfehler in Blogposts kein Problem für mich sind

Abschließend muss ich noch etwas sagen: Einzelne Rechtschreibfehler, Beistrichfehler, Tippfehler oder Grammatikfehler in Blogposts sind für mich wie gesagt kein Problem.

Was ich aber nicht mag, sind Texte, bei denen sich die Schreiberin oder der Schreiber keine Mühe gegeben hat. Das kann man sehr rasch erkennen: Da wirken die Texte irgendwie hingerotzt. Satzanfänge und Satzenden passen nicht zusammen, Wörter fehlen oder kommen doppelt vor, es gibt keinen roter Faden, manchmal machen die Sätze einfach keinen Sinn. Bei solchen Texten klicke ich sofort weg.

Aber solange ich sehe, dass sich jemand um seinen Text bemüht hat und sich darüber Gedanken gemacht hat, stören mich kleine Rechtschreibfehler, Tippfehler, Beistrichfehler oder Grammatikfehler nicht. Dann denke ich mir einfach, dass der Schreiber oder die Schreiber*in einen Fehler übersehen hat. Was soll´s!

Wie siehst du das? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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9 Kommentare Neuen Kommentar hinzufügen

  1. Liebe Eva – ich habe gerade deinen gütlichen Text zu Rechtschreibfehlern gelesen und mag so sehr die menschliche Note, mit der du vieles betrachtest. Das lässt schon fein auf dich als Menschen und Unternehmerin schließen, sehr sympathisch – viel viel ganz viel Erfolg weiterhin – Sabine #naturdenkerin

  2. Andrea sagt:

    Toller Text liebe Eva,
    Ich sehe das genau so wie du und würde mir wünschen, dass von dieser Denkweise mehr in unseren Schulen ankommen würde! Die Kinder machen dort teilweise immer noch eben Spießrutenlauf mit. Dabei hat Legasthenie nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun! Ich habe so viele wertvolle und sozial kompetente Menschen um mich herum, die Probleme mit der Schreiberei haben. Lg

    1. Eva Dragosits sagt:

      Danke. Ja leider, in der Schule liegt der Fokus meistens auf dem, was man nicht kann. Wenn meine Kunden so mit mir umgehen würden, wäre ich schwer demotiviert und unter massivem Druck. Dabei hat Rechtschreib-Kompetenz nichts mit der Persönlichkeit zu tun!
      Liebe Grüße, Eva

  3. Genau so sehe ich es auch. Vorallem wo ich selber kleine Problemchen habe. Ich mag sehr gerne Kommas, daher find man diese bei mir auch in reichlicher Zahl. Manchmal gehe ich auch sparsam damit um. Auch die Interpunktion ist für mich eine unbegreifliche Sache. Und natürlich der Tanz zwischen den Zeiten. Trotztdem schrecke ich nicht davor zurück immer wieder kleine Geschichten oder auch ganze Bücher zu schreiben. Natürlich auch Blog, sonst weiß ja keiner worüber ich so schreibe – egal wo.
    Liebe Grüße
    Ulrike

    1. Eva Dragosits sagt:

      Gute Einstellung! Hauptsache, man traut sich. Schließlich hat man auch ohne perfekte Rechtschreibung und Zeichensetzung etwas zu sagen.
      Liebe Grüße!
      Eva

  4. Silke sagt:

    Liebe Eva, wie du deine Erfahrung und Einstellung als Lehrerin beschreibst, teile ich zu 100% – ich glaube, diese Übereinstimmung haben wir beide recht schnell an uns festgestellt.
    Deine anderen Gedanken sind wunderschön logisch wie auf einer Perlenschnur aufgereiht und so habe ich deinen Text mit Interesse und Freude gelesen.
    Danke für die Milde, die du darin postulierst.
    Viel Freude weiterhin beim Schreiben. Liebe Grüße, Silke

    1. Eva Dragosits sagt:

      Liebe Silke, ja, in Bezug auf unsere Erfahrungen als Lehrerinnen denken wir ähnlich. Unser Bildungssystem und die Einstellung den Kindern/Schüler*innen gegenüber sollte überdacht werden, finde ich. Danke für deinen schönen Kommentar!
      Liebe Grüße, Eva

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